Schenkwaldspielschar

Ottmarsbocholt

2012 - "Unschullig geschieden"

Heini Rosenstock  :  Rudi Imberge
Anita, seine geschiedene Frau  :  Barbara Kock
 Oskar Stürmer, Heinis Freund  :  Norbert Weber
 Sonja Konrad, Oskars neue Eroberung  :  Marion Bouma
 Luise Stürmer, Oskars Frau  :  Hedwig Klaas
 Irene Waffel, Anitas Mutter  :  Angelika Pühringer
 Bernd Hose, ein Detektiv  :  Thomas Lordieck
 Souffleuse  :  Marianne Nehls
 Regisseur  :  Archie Willecke
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 Im Hause Rosenstock wird es schließlich allen zu bunt. Jeder ist der festen Überzeugung, dass in dem Verstandskasten des anderen etwas durcheinander geraten sein muss. Den richtigen Durchblick, den hat so ziemlich jeder verloren. Einige glauben, auch die Ursache zu kennen: Sie sollen hier wohl für dumm verkauft werden!

Den zahlreichen Zuschauern des plattdeutschen Lustspiels „Unschullig geschieden“, welches von der Schenkwaldspielschar am Wochenende im Saal Vollmer drei Mal aufgeführt wurde, konnte dies nur recht sein. Manche von ihnen dürften am Schluss Blasen an den Händen gehabt haben, weil sie von dem amüsanten Stück immer wieder zu Applaus hingerissen worden waren.

Irene Waffel, die giftige Ex-Schwiegermutter des geschiedenen Hauseigentümers (grandiose Rolle für Angelika Pühringer mit entzückender Perücke) hatte alle durchschaut: „Hier lügt jeder“. Die Folgen waren drastisch: So mancher glaubte sich im Irrenhaus. Auslöser dieser Konfusion war nichts anderes als die Sehnsucht von Oskar Stürmer (Norbert Weber) nach verbotener Liebe mit seiner neuesten Eroberung Sonja (Marion Bouma), wobei ihm allerdings das tiefe Misstrauen seiner schroffen Ehefrau Luise (Hedwig Klaas) zum Verhängnis wird. Diese muss bei ihren hartnäckigen Nachforschungen entsetzt feststellen, dass ihr Gatte „so falsch wie ein 30-Euro-Schein“ ist. Und wie sie ihn daraufhin an die Kandare nimmt, das war schon eine komödiantische Glanzleistung, die beim Publikum kein Auge trocken ließ.

Aber bei dem lautstarken Ehekrach blieb es ja nicht. Oskars Leidenschaft für flotte Frauen hatte noch viel weiter reichende Folgen. Drohte sogar eine Gefahr für die Innere Sicherheit? Jedenfalls sah sich der Geheimdienst zu einer verdeckten Operation veranlasst und hatte hierzu einen Agenten (Thomas Lordieck) in das Rosenstocksche Haus eingeschleust. Dessen Tarnung mit dunkler Sonnenbrille war so genial, dass es in der Premiere Zuschauer gab, die meinten, darin Fernseh-Kommissar Overbeck wieder zu erkennen. Ob sich der Spion bei seiner Arbeit auf Vollmers Bühne dann auch genauso trottelig anstellte wie der Kommissar in Wilsbergs Münster-Krimi, oder ob er vielleicht doch etwas geschickter zu Werke ging, das soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Wer angesichts des mysteriösen Wirrwarrs nicht vorher schon zu verzweifeln begann, der tat dies spätestens dann, als auf einmal zwei Oskars da waren. Und spätestens jetzt war auch dem letzten Zuschauer klar, dass die fauchende Ex-Schwiegermutter mit ihrer Diagnose: „Die haben se doch nicht alle!“ den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.

Apropos den Kopf getroffen: Mehrere Hausbewohner trugen einen durch brachiale Gewalt hervorgerufenen Dachschaden davon. Angesichts dieser „Brutalität“ ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass sich Frau Waffel einen „Bodyguard“ nimmt. Doch auch der Leibwächter kann es nicht verhindern, dass sie in einem fulminanten Finale von Rettungssanitätern (Werner Althoff und Adalbert Willeke) ins Krankenhaus gebracht wird.