Schenkwaldspielschar

Ottmarsbocholt

2017 - "Chaos in't Bestattungshuus"

Gerd Speck  : Norbert Weber
Veronika Speck  : Hedwig Klaas
Paul Speck  : Michael Löbke
Udo Kemp  : Uwe Haves
Roswitha Kemp  : Angelika Pühringer
Rita  : Barbara Kock
Melanie  : Pia Lordiek
Ludwig Heller  : Manfred Tippkötter
Egon Steckröde  : Werner Althoff
Souffleuse  : Marianne Nehls
Regisseur  : Archie Willecke
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 Fabrikant führt fatales Doppelleben

„He wull immer, dat ick antrocken bliev“, so schildert Roswitha Kemp (gespielt von Angelika Pühringer) eine der Episoden aus ihrer Ehe. Was die Hintergründe dafür sind, davor verschloss sie lange die Augen. Doch nun wird die Wahrheit mit einem Mal offenkundig: Ihr Gatte, der angesehene Fabrikant Udo Kemp (Uwe Haves) ist ein „aufgeblasener Gockel“ und führt ein „dreifaches Doppelleben“. Seine lustvollen Ausschweifungen sind letztlich auch die Ursache für seinen plötzlichen Tod, mit dem das Publikum gleich zu Beginn der plattdeutschen Komödie „Chaos in`t Bestattungshuus“ konfrontiert wird. Es kullern die Tränen: Bei den Geliebten aus tiefer Trauer. Und in den Zuschauerreihen vor Freude. Denn bei der Ottmarsbocholter Schenkwaldspielschar geht es wieder einmal richtig zur Sache.

Die Premiere am Freitagabend entwickelte sich aufgrund genialer spielerischer Leistungen zu einem höchst amüsanten Spektakel. Was großes Aufsehen erregt, sind aber nicht alleine die „erotischen Abenteuer“ des Verstorbenen, über die Veronika Speck, neugierige Ehefrau des örtlichen Bestatters, (Hedwig Klaas) gar nicht genug erfahren kann. Auslöser des ganzen Wirbels ist im Grunde das liebe Geld, von dem das Bestattungsinstitut viel zu wenig und der Unternehmer Kemp im Überfluss hat. Eigentlich könnte der Fabrikant ja wunschlos glücklich sein, wenn er denn nicht so unersättlich wäre. Und wenn bei einer Scheidung nicht seine Frau infolge eines Ehevertrages alle Trümpfe in der Hand hielte. „Arm wie eine Kirchenmaus“, so würde er aus einer Trennung hervorgehen.

Um solch einem finanziellen Desaster zu entgehen, zieht das Schlitzohr alle Register von Bluff und Täuschung, von Bestechung und Korruption. Von sich reden macht er außerdem mit seinen zahlreichen Witzen: „Wat is een Keks unner een Baum? Een schattiges Plätzchen.“ Insgesamt eine Rolle, die Uwe Haves in beeindruckender Weise ausfüllt.

Dies gilt auch für den herablassenden Umgang mit seinem untertänigen Angestellten Ludwig Heller (Manfred Tippkötter), der glatt der Dackel seines Chefs sein könnte. Von einer ganz anderen Seite lernt man den ergebenen Diener dann noch kennen, als er auf Freiersfüssen wandelt. Heller auf der Balz, das hätte ihm wirklich niemand zugetraut.

Zu dem, was die Lachmuskeln des Publikums sonst noch strapaziert, gehört ein FKK-Trip. Nein, wie pietätlos für eine Bestattung! Weshalb Edeltraud (Nicole Wimber), eine von Kemps Verhältnissen und Nudistin aus Leidenschaft, wohl partout ihren Mantel nicht ablegen will? Wie spannend! Und dann wieder diese fulminante Ehefrau des Bestatters, die es schafft, den leidigen Gerichtsvollzieher (Werner Althoff) mit „leckerem Pharisäer“ abzufüllen. Als Schnapsleiche ist der Kuckuckskleber erst einmal außer Gefecht gesetzt. Andere Personen sind nach der Verabreichung von K.o.-Tropfen schachmatt. Ob sie selbst dann noch wieder wach werden, wenn die Dosis für Elefanten bemessen wurde, ist für Jedermann bei den weiteren Vorstellungen der Schenkwaldspielschar zu sehen.

 

Quelle: Westfälische Nachrichten / Ulrich Reismann